Woche der Brüderlichkeit

Vom 11. bis 18. März findet die 66. Woche der Brüderlichkeit statt. Das Motto: „Angst überwinden – Brücken bauen“. Generalvikar Kollig und Propst Stäblein eröffnen die Woche in Berlin – die bundesweite Eröffnung wird in Potsdam gefeiert.

Mit einer Festveranstaltung im großen Saal des Jüdischen Gemeindehauses (Fasanenstraße 79-80, 10623 Berlin-Charlottenburg) eröffnen Vertreter aus Politik und Religion am 11. März 2018 um 16 Uhr die 66. Woche der Brüderlichkeit. Veranstalter ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. (GCJZ).

Die Festrede bei der Eröffnungsveranstaltung hält Dr. Noga Hartmann, Direktorin der I. E. Lichtigfeld-Schule, Frankfurt am Main, die Begrüßung kommt von Jael Botsch-Fitterling, Jüdische Vorsitzende der GCJZ. Grußworte sprechen Gerry Woop, Staatssekretär für Europa bei der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Rabbiner Jonah Sievers, Jüdische Gemeinde zu Berlin, Propst Christian Stäblein (EKBO), Generalvikar P. Manfred Kollig SSCC, Erzbistum Berlin sowie Rogel Rachmann, Gesandter-Botschaftsrat der Botschaft des Staates Israel. Für die musikalische Gestaltung sorgt der Schulchor der Heinz-Galinski-Schule unter der Leitung von Igor Ginzburg.

Die Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ für Brandenburg findet am 12. März in Potsdam statt. Der Auftakt ist um 18 Uhr im Potsdam Museum (Am Alten Markt 9). Die Festansprache hält der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin, Bernd Streich. Zudem stehen Grußworte von Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark und dem Potsdamer GCJZ-Vorsitzenden Tobias Barniske auf dem Programm.

Die Woche der Brüderlichkeit dauert bundesweit vom 11. bis 18. März 2018. In Berlin jährt sich die Veranstaltung zum 66. Mal. Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit geben die Veranstalter ein umfangreiches Programmheft heraus. Es listet für den Zeitraum Februar 2018 bis Dezember 2018 zahlreiche Veranstaltungen auf, darunter Vorträge, Diskussionen, Stadtführungen, Ausstellungen, Konzerte, Buchlesungen, Gottesdienste, Gedenkveranstaltungen, Filmaufführungen und Workshops. Schwerpunkte sind dabei christlich-jüdische und interreligiöse Themen. Mehrere hunderte mitveranstaltenden Einzelpersonen und Institutionen aus Berlin und Brandenburg wirken bei diesem Programm mit.


Lesen Sie hier Bischof Markus Dröges Grußwort zur Woche der Brüderlichkeit:

Das Klima in unserm Land verändert sich. Immer unverhohlener trauen sich Menschen wieder Dinge zu sagen, die lange unsagbar waren. Sie schrecken dabei auch nicht mehr vor antisemitischen Äußerungen oder Handlungen zurück. Das erschreckt und beschämt mich. Begründet wird die veränderte Stimmung in unserm Land mit einer diffusen Angst. Seit Deutschland im Herbst 2015 die Grenzen für Menschen geöffnet hatte, die auf der Flucht vor Krieg und mangelnden Zukunftschancen zu uns unterwegs waren, hat sich unsere Gesellschaft in unterschiedliche Richtungen auseinander entwickelt. Bürgerschaftliches Engagement hat in einer beeindruckenden Willkommenskultur für die Geflüchteten Ausdruck gefunden. Manche Menschen mit einer eigenen Fluchtgeschichte waren unter denen, die geholfen haben. Daneben aber wächst die Zahl derer, die sich durch die Geflüchteten bedroht fühlt und Ängste äußert. Angst vor Überfremdung, Angst um Arbeitsplätze, Kita-Plätze, Bildungschancen, Angst um die Sozialleistungen, um die Rente, Angst auch um die eigene Identität.

Alle die, die unsere freiheitliche, demokratische und von den Menschenrechten bestimmte Gesellschaft achten und bewahren wollen, sind jetzt gerufen, sich zu erkennen zu geben, in Wort und Tat. Zwar müssen Ängste ernst genommen werden, nicht aber die menschen – verachtenden Positionen, die aus der Abwehr alles Anderen und Fremden entstehen. Es gilt heute, dem Rechtspopulismus und dem damit einhergehenden Antisemitismus entschieden entgegen zu treten. Lange haben wir „nie wieder“ gesagt, jetzt müssen wir ein klares Nein sagen, wenn das „doch wieder“ sichtbar wird.

Die Woche der Brüderlichkeit ist eine seit 1952 gewachsene Institution, mit der wir jüdisches und christliches Leben und den Dialog, der zwischen unsern Religionen gepflegt wird, in die Öffentlichkeit tragen. Ich bin dankbar für diesen Dialog, für diese gegenseitige Einübung des Verstehens und für die Versöhnungsarbeit, die dadurch geschehen ist. Das diesjährige Motto der Woche der Brüderlichkeit „Ängste überwinden – Brücken bauen“ nimmt diese Erfahrung auf und denkt sie weiter in die gegenwärtige gesellschaftliche Situation hinein. Das ist ein mutiges und gutes Signal. Nur im Gespräch und dem erklärten Wunsch, Verständigungsbrücken zu bauen, werden wir die gegenwärtigen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen.

Quelle: ekbo.de