Konzert mit Peter Bruns

Künstlerische Glaubwürdigkeit und interpretatorische Authentizität, klangliches Temperament und präzise, nuancierte Tongebung zeichnen das Spiel von Peter Bruns aus. Konzert am 13. Januar 2018, 17 Uhr.

Er zählt zweifelsohne zu den führenden deutschen Cellisten und spielt auf einem Instrument von Carlo Tononi (Venedig 1730), das sich im Besitz des legendären spanischen Cellisten Pablo Casals befand. Am 13. Januar 2018 spielt Bruns einen Soloabend mit einigen auch für ihn neuen Stücken, mit einer insgesamt äußerst facettenreichen Werkauswahl außerhalb des Mainstreams. Er enthält neben den erst kürzlich entdeckten Solo-Variationen von Sibelius auch manch anderes Phantastische, so die Puneña Nr. 2 von Ginastera. Aber auch Bach (ganz wichtig für Bruns‘ interpretatorische Entwicklung), Reger (sein eigensinniger Stil stellt ihn in die Linie: Bach – Bach-Söhne – Haydn – Beethoven – Schumann – Brahms – Reger; Reger war nach Bach der erste, der 1915 wieder Solosuiten für Violoncello schrieb) oder Bloch stehen auf dem Programm.

Das kurze harmonische und melodische Impromptu Tochs in 3 Sätzen ist Bruns besonders ans Herz gewachsen. Er schrieb es 1963 für seinen Freund, den großen Cellisten Gregor Piatigorski, zu dessen 60. Geburtstag. Die finnisch-nordisch anmutenden hochvirtuosen Variationen des großen finnischen Komponisten Sibelius sind erst in den letzten Jahren entdeckt worden. Sie sind ein „in der Schublade verschwundenes“ Jugendwerk des Zweiundzwanzigjährigen aus der Zeit vor seinem Berliner Studium.

Die faszinierende Puneña Nr. 2 von Alberto Ginastera beeindruckt durch große Farbigkeit, Phantasie und Lebhaftigkeit. Sie kann als eine Wiedererschaffung der Klangwelt zu fernen Zeiten des Inka-Imperiums in Südamerika verstanden werden. Bloch schließlich galt zu Lebzeiten unter seinen Anhängern in den USA als das vierte „große B“ unter den Komponisten: Bach – Beethoven – Brahms – Bloch, doch später wurden seine frühen Kompositionen auch stark angegriffen. Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich Blochs Kompositionsstil, die Werke wiesen eine größere Verschiedenheit auf, obgleich Blochs spätromantische Harmonik erhalten blieb. Die sich auf Bach beziehende Suite für Violoncello solo schrieb Bloch in seinen letzten Lebensjahren. Sie ist knapp gehalten und klassisch konzipiert. Das umfassende Können des reifen Meisters schuf hier die Synthese aus Bach‘scher Klarheit und Strenge, romantischer Harmonik und jüdisch inspirierter Melodik.

Foto: Jens Rötzsch