Wort des Bischofs

Vom 19. bis 28. Januar findet in Berlin die Internationale Grüne Woche statt. Anlässlich der Messe-Eröffnung am Freitag hat Bischof Markus Dröge in seinem Wort des Bischofs radioBerlin 88,8 über dieses „Fest der Fülle“ nachgedacht – und den größten Genuss dabei: das Teilen.

Bischof Dr. Markus Dröge, Wort des Bischofs, radioBerlin 88,8, Samstag, den 13. Januar 2018, Grüne Woche

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, am Freitag öffnet die Grüne Woche wieder ihre Tore auf dem Messegelände. Ein Fest der Fülle: Die Hallen voll erlesenster Lebensmittel in allen Farben und Formen aus aller Herren Länder. Ein appetitlicher Duft von Gebackenem, Gekochtem und Gebratenem liegt über allem. Ein sinnliches Fest des Genusses, das uns an den Wert des Essens und Trinkens erinnert und auch daran, dass es uns hierzulande gut geht, wenn es ums leibliche Wohl geht.

Das gemeinsame Essen und Trinken ist uns ein tiefes Bedürfnis. Essen hält Leib und Seele zusammen – und die Gemeinschaft. Nicht umsonst spielt es daher schon in der Bibel so eine große Rolle: Vom heiligen Brot Manna, das Gott seinem Volk Israel auf der Flucht aus Ägypten in der Wüste zukommen lässt bis zur Speisung der Fünftausend. Jesus verwandelt auf einer Hochzeit Wasser zu Wein – und isst und trinkt am Vorabend seines Todes ein letztes Mal gemeinsam mit seinen Jüngern an einem Tisch. Bis heute erinnert die Feier des Abendmahls in unseren Kirchen an diese Gemeinschaft. Es geht beim Essen und Trinken eben um mehr als bloß um das Stillen von Hunger und Durst. Gemeinsames Essen und Trinken verbindet. Beim Essen entstehen Gespräche, kommt man sich näher.

Wir alle kennen die besondere Atmosphäre, diese festliche Stimmung, wenn wir mit Verwandten, Freunden oder manchmal auch mit Fremden gemeinsam essen und trinken, reden und es uns dabei gut gehen lassen. Wenn wir die Vielfalt des Angebots auf der Grünen Woche – wie auch in jedem Supermarkt oder auf den Wochenmärkten dieser Stadt sehen, dann ist es auch gut, über den Wert des leiblichen und geselligen Genusses hinaus zu blicken. Wir sollten nicht vergessen, dass es auch in unserer reichen Gesellschaft immer noch Menschen gibt, die daran nicht so einfach teilhaben können. Menschen, die auf die Unterstützung von Tafeln und ähnlichen Hilfsangeboten angewiesen sind. Von der globalen Situation einmal ganz abgesehen – viele Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Auch daran sollte ein Besuch der Grünen Woche erinnern: Es schmeckt besser, wenn wir dabei teilen und abgeben können. Wenn wir andere einladen, spenden, unseren Teil dazu beitragen, dass alle teilhaben können an dem Reichtum, den unsere von Gott geschenkte Erde bietet und der oft so ungerecht verteilt ist.

Die Grüne Woche ist ein Fest der Fülle. Behalten wir dabei im Blick, dass diese Fülle allen Menschen gilt. Ein biblischer Psalm erinnert dran: Aller Augen warten auf dich, Herr. Und Du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du tust deine milde Hand auf und sättigst alle, die da leben, mit Wohlgefallen. Und die Aktion Brot für die Welt knüpft in diesen Tagen mit einer Plakataktion daran an: Dinner for all statt Dinner for one!

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Gesamtbeitrag von: ekbo.de

Am Sonntag, dem 21. Januar, wird um 10 Uhr zudem ein Abendmahlsgottesdienst zum Thema „Internationale Grüne Woche“ in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche gefeiert. Die Predigt hält Propst Christian Stäblein.