Raum für alle – Nachlese

Raum für alle – Glaubenssteine, Start der Fundraising-Kampagne, Einführung von Pfarrer Markus Böttcher. Drei Fliegen (und noch mehr) mit einer Klappe. Wir sagen: Danke!

Ein großes, bestens organisiertes Fest bei sommerlichen Temperaturen. Nicht das erste seiner Art – der Kirchentag 2017 lässt grüßen – aber doch ein besonderes. Die Fundraising-Kampagne der Gemeinde wurde eröffnet, es geht um die Neustrukturierung und den Umbau der Kircheninnenräume. Die Pläne sind sowohl ehrgeizig als auch weitsichtig, immerhin wird nach Abschluss der geplanten Arbeiten nicht nur die Kirchengemeinde allein moderne Räumlichkeiten nutzen können, sondern die ganze Region. Das Vorhaben, zunächst in zwei Etappen gegliedert, ist nicht von Pappe und es werden noch allerhand finanzielle Mittel benötigt. Ein Teil der Finanzierung allerdings ist sichergestellt, auch das keine Selbstverständlichkeit, zumindest nicht in Berlin.

Glaubenssteine verbinden

Barbara Gerasch und Friedrich Böhme arbeiteten gemeinsam mit Besuchern des Gemeindefestes an ihrem „Glaubenssteine“-Projekt, eine wirklich wundervolle Melange aus Mitmachkreativität, spiritueller Selbsterfahrung, Teamwork und Überraschungskiste. Gespannt darf man sein, wenn sich zum Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund das Gesamtwerk erstmals entfaltet. Schon die „100 Alten“ sorgten für Aufsehen im Raum der Kirchen und über Kirchturmspitzen hinaus, die „Glaubenssteine“ dürften die künstlerische Messlatte wieder ein Stück höher hängen. Darauf kommt es Gerasch und Böhme jedoch nicht an. Vielmehr sind es die Erfahrungen, die sie selbst und alle Akteure sammeln. Denn während am Projekt gearbeitet wird, passiert etwas mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Manche geraten in Verzückung, weil die einfache Malerei – es geht um Streifen – meditativen Charakter annehmen kann. Weil es keine Wertungen gibt. Kein richtiges und kein falsches Bild. Andere streifen lesend, staunend, erkennend oder schlicht suchend in der Bibel umher, um ihren Lieblingsvers mit eigenen Gedanken zu überschreiben. Die „Glaubenssteine“-Werkstatt fasst auf künstlerische, spielerische und doch irgendwie ernsthafte Weise zusammen, wonach Kirchengemeinden im Allgemeinen dürsten: Gemeinschaftliches, fröhliches, verbindendes Ziehen an einem Seil. In die gleiche Richtung. Gemeinsam in einem offenen Schaffensprozess zu wirken, Fragen zu besprechen, Antworten zu suchen, Unklarheiten auch mal stehen zu lassen, Vertrauen zu wagen. Eigentlich alles nicht schwer und doch ein Riesenbrocken, der auch und gerade in christlichen Gemeinden gerne mal ein paar Tonnen wiegen kann.

Miteinander

Die Einführung von Pfarrer Markus Böttcher, der zuvor in Guatemala und El Salvador tätig war, hat mich persönlich tief beeindruckt. Vielmehr als die feierliche Atmosphäre mitsamt der musikalischen Begleitung waren es die Gedanken des Neuen auf der Kanzel, die bis heute nachklingen: Losgehen, statt nur so zu tun, als ob man losgehen würde. Klarheit, Wahrheit und – schon wieder: das Miteinander in Christo – unterscheiden uns von vielen anderen engagierten Vereinen und Gruppen, falls es diese Unterscheidung überhaupt braucht. Die Gemeinde, alle Vertreter der Nachbargemeinden, der Brüder und Schwestern in der Ökumene und die Offiziellen der Region freuen sich auf die künftige Zusammenarbeit mit Markus Böttcher. Zu Recht, wie ich meine, denn der Neue ist nicht wirklich neu, sondern ein erfahrener Verkündiger und Seelsorger mit weitem Blick und dem Herzen in den Evangelien. Und, nebenbei bemerkt, mit einem gütigen Augenzwinkern zu uns. Den Friedrichshagenern. Eine alte Legende besagt, dass Gott, als er die Erde, jegliches Gesträuch, alle Tiere, Adam und Eva und die Pläne für das iPhone formte, lange vorher schon Friedrichshagen erschuf. So ist der Ort bis heute geo- und gesellschaftspolitischer Mittelpunkt der Welt. Was in Friedrichshagen nicht zu finden ist, gibt es nicht. Hier beginnt und endet alles.

Hilfe erwünscht

Keine Ahnung, ob das stimmt. Das Gemeindefest hingegen hat nicht nur (mindestens) drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sondern auch ordentlich Zukunftsmusik angestimmt. Die klingt nicht nur gut, sie macht auch richtig Lust auf alles, was kommt. Und falls Sie meinen, drei Fliegen auf einen Streich zu schlagen, sei keine Kunst, nur weil ein nähender Freiberufler der Textilbranche schon vor Hundert Jahren mehr schaffte – die Gemeinde zählt in allem, was sie zu bewältigen hat, auf Ihre Hilfe. Nur Mut …

Danke an Pfarrer Markus Böttcher, Birgit Ladwig, die Ältesten des Gemeindekirchenrates, an Margarete Gabriel, die Chöre und das Kammerorchester, Lothar Hansche, Andreas Wenske, Elfriede Begrich, Gerhard Begrich, Sebastian Fuhrmann, Heike Debuch, Stefan Kahl, das Kindergottesdienst- und Kindergartenteam und alle, die mit Verve im Hintergrund gewirbelt haben. Dank an die Gäste der Nachbargemeinden, die Brüder und Schwestern in der Ökumene und denen, die den neuen Pfarrer „nur mal sehen“ wollten.

Besonderer Dank geht an Superintendent Hans-Georg Furian für seine Worte zur Einführung und die zukunftsorientierte Ausrichtung des Kirchenkreises, dem die Evangelische Kirchengemeinde Friedrichshagen angehört. Herzlicher Dank auch an Bezirksbürgermeister Oliver Igel, der frei und herzerfrischend (trotz Wahlsonntagabend in Bayern) darlegte, dass er nicht nur dem neuen Pfarrer alles Gute wünscht, sondern auch an der Seite der Orts- und Kirchengemeinde steht.

Text/Fotos: Uwe Baumann