Auf ein Wort mit Pfarrer Markus Böttcher

In Zeiten wie diesen

Mit dem Frühling kamen neue Zeiten zu uns. Das Wort „aktuell“ hat einen unangenehmen Klang bekommen. Wir haben „aktuell“ viele schlechte Nachrichten gehört. Unser gesamtes Gemeindeleben, auch die Gottesdienste, wurden abgesagt. Und ich fange an, mich jetzt schon nach dem normalen Leben zu sehnen.

Jugendliche aus der Nachbarschaft haben ihre Rucksäcke gepackt und sind ins Umland gefahren. Auf der Straße treffe ich eine Bekannte, ihr Mann arbeitet im Betreuten Wohnen für psychisch Kranke. Das Personal hat sich um die Hälfte reduziert, weil deren Kinder kein Anrecht auf Notbetreuung haben. Was wird aus den Kranken? – Spätabends treffe ich meine Ärztin auf ihrem Nachhauseweg. Sie sagt, sie hätte heute 65 Mails besorgter Patienten beantwortet.

Am Morgen eines dieser Frühlingstage war ich am See und sah zwei Fischer mit den weißen, langen Schürzen auf ihren Booten. Sie sind aus Rahnsdorf, die letzten Fischer vom Müggelsee. Das Bild nehme ich mit und rahme es mir ein. Es gibt noch Normalität.

Täglich um 12 und um 18 Uhr läuten die Glocken unserer Kirche. Sie sind, trotz unseres Umbaus, nicht abgestellt. Sie erinnern mich an die Normalität, die bleibt. An alles, was nicht abgesagt ist: das Gebet, ein Telefonat, ein Brief, eine gute Lektüre, Musik, offene Fenster.

Also, lassen wir uns nicht beirren. Lasst uns jetzt mehr Bücher lesen, Musik machen, telefonieren, aus dem Fenster schauen und uns von den Glocken der Christophoruskirche zum Gebet einladen. Für Zeiten wie diese ist es gemacht! Und lasst uns weiter und noch mehr für einander da sein!

Ihr Pfarrer Markus Böttcher

PS: Schauen Sie auch in die Herrnhuter Losungen. Sie werden sie in diesen Tagen mit anderen Augen lesen (losungen.de).