Das Bautagebuch

Ein Wort zum Kirchenumbau

19.05.2021

Hurra, der Fußboden ist fertig, die Kalksteinplatten aus Solnhofen sind verlegt. Am Aufgang zum Altarraum wurden mit einem kleinen Kran massive, sehr schwere Blöcke aus demselben Kalkstein eingesetzt. An einigen Stellen findet man kleinere und größere Fossilien. Der Fußboden wurde in der Winterkirche gleich wieder zum Schutz mit Holzplatten abgedeckt, damit dort weitergearbeitet werden kann. +++ In den Seitenschiffen wurde gemalert. Vorher wurde die alte Farbe abgewaschen. Dabei entdeckten wir Reste bauzeitlicher Wandmalerei (siehe Foto). Die Stellen wurden mit Japanpapier geschützt und wieder übermalt. So können wir sie jederzeit wieder freilegen. +++ Der Tischler hat die Treppe zur Kanzel vervollständigt. Sie führt jetzt nicht mehr in die ehemalige Sakristei und jetzige Küche, sondern in den kleinen Raum zwischen Küche und Gemeinderaum. Jetzt kann der Pfarrer wieder bequem, ohne Anlauf zu nehmen, die Kanzel besteigen. +++ Einige Fenster in den Treppenhäusern wurden erneuert und zu Rauchabzugsfenstern umgebaut.

 

30.03.2021

Liebe Gemeinde,
unser Kirchenumbau läuft nun ein Jahr – es ist daher Zeit, zurück und nach vorne zu schauen. Was haben wir geschafft, was steht noch vor uns? Was wissen wir, was ist unsicher? Welches Ziel hat Bauphase 2? Wann können wir unsere Kirche wieder wie nutzen?

Die erste Umbauphase wird voraussichtlich Ende Mai 2021 abgeschlossen sein. Nach einer Reinigung werden zuerst die Büroräume wieder bezogen und der Bürocontainer wird Geschichte sein. Wir brauchen Ihre Hilfe, um gelagerte Dinge in Frau Pilz und Herrn Böttchers Büro zurück zu räumen. Gruppenräume und Küche sowie die erneuerten sanitären Anlagen stehen dann wieder zur Verfügung, evtl. vorübergehend mit der einen oder anderen Einschränkung. Die modernisierten Seitenräume der Kirche werden barrierefrei und vielseitiger nutzbar sein als zuvor. Zeitgemäße Brandschutzanforderungen erfüllen wir jetzt, technische Anlagen sind modernisiert und der Energieverbrauch so weit wie möglich reduziert. Für die nun zu Ende gehende erste Bauphase benötigten wir 1,6 Mio. Euro und dafür steuerte die Gemeinde einen Großteil ihrer Rücklagen bei: 600.000 Euro. Der Beschluss darüber und die über die Maßen gehenden ehrenamtlichen Anstrengungen vor allem der Mitglieder des Bauausschusses wurden flankiert und „belohnt“ durch weitere hohe Geldgaben der Landeskirche, des Kirchenkreises und der Lotto-Stiftung, sodass die Finanzierung gesichert war. Das alles zusammengenommen bezeichne ich als Glück Nr. 1 und als Beleg dafür, dass unsere Konzeption „Unsere Kirche am Markt – ein Raum für Alle!“ trägt und andere überzeugt. Trotzdem sich die erste Bauphase länger hinzog als gedacht, wurde das Budget nur wenig überzogen, letzteres teils bewusst, weil man sich bei einigen Bauschritten doch für Ersatz statt Weiterverwendung von Installationen entschied. Die erste Bauphase muss administrativ zu Ende geführt werden: wir müssen Verwendungen nachweisen und dafür komplizierte Formulare ausfüllen. Das alles zum allergrößten Teil in ehrenamtlicher Arbeit berufstätiger und im Ruhestand befindlicher Gemeindeglieder.

Wir haben eine zweite Bauphase vor.

Weil wir dafür Finanzierungen klären, Förderungsfähigkeiten prüfen, Planungen detaillieren müssen, wird es eine Baupause und Zwischennutzung unseres Kircheninnenraumes geben, die vom Frühsommer 2021 bis zum Jahreswechsel 2021/2022 dauern könnte; eine Nutzung mit Einschränkungen, z.B. ohne Orgelspiel, die „eingehaust“ bleiben muss, und ohne Bänke. Der Schwerpunkt der zweiten Bauphase liegt nunmehr auf der Innenraumgestaltung unseres Gottesdienstraumes mit Winterkirche. Das wird während der Zwischennutzung sehr augenfällig werden, denn es wurden alte Schichten unter der bisherigen Bemalung freigelegt, so dass besonders die Altarwand jetzt wie ein Flickenteppich aussieht. Aber die „flickenartigen Fenster“ enthalten auch eine Verheißung – es könnte sehr schön, anregend und interessant werden, was sich in Zukunft an Wänden und Gewölbe dem Auge darbieten ließe. Diese vorgenannte „Renovierung“ ist eine unumgängliche Baumaßnahme, die in jedem Falle auf die Gemeinde zukommt. Sie ist mit einem Kostenrahmen von ca. 900.000 € veranschlagt. Jetzt kommt das ins Spiel, was ich unser Glück Nr. 2 nenne. Aufgrund der persönlichen Initiative verschiedener engagierter Personen ist es uns gelungen, den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages von unserem Projekt zu überzeugen und eine Zusage über (von bis zu) 1 Million Euro Zuschuss für Bauphase 2 zu erhalten. Der Bund selbst finanziert dabei 50% der Kosten der Maßnahmen, die anderen 50% müssen von anderen Geldgebern übernommen werden. Erste Gespräche zeigen, dass wir auch hierfür gute Aussichten auf eine weitere entsprechend hohe öffentliche Förderung haben.

Und dann erreichte uns eine Nachricht, die für uns zu Beginn unseres Kirchenumbaus unvorstellbar war. Nennen wir es Glück Nummer 3: Durch kontinuierliche Einbeziehung von Persönlichkeiten und Institutionen des öffentlichen Lebens unserer Stadt gelang es, unser Konzept „Raum für alle“ auch in der Berliner Öffentlichkeit überzeugend darzustellen. Als Folge dessen signalisierte uns das Land Berlin, dass es beabsichtigt, unseren Kirchenbau mit einer Fördersumme von 1 Million € aus dem Landeshaushalt zu unterstützen. Sollte diese Förderabsicht Realität werden – die Gespräche dazu sind fortgeschritten und in senatsinterner Prüfung – könnten wir weitere Dinge realisieren, die über die unumgänglichen Baumaßnahmen hinausgehen, gleichwohl sehr sinnvoll sind und unser Konzept wirklich komplett machen würden. Als Beispiele seien genannt: Wärme- und Schallisolierung aller Kirchenfenster, Generalüberholung der Orgel, Schadstoffsanierung des Holzes in einem bisher ungenutzten Ende des nordwestlichen Treppenaufgangs und dadurch Gewinnung zusätzlichen Raumes, Anschaffung neuer Bestuhlung für Winterkirche und Gemeinderäume. Ob diese Finanzierungen in dargestellter Weise bewilligt werden, wissen wir noch nicht endgültig. Sollten sich Änderungen in der Finanzierungsplanung ergeben, werden wir unsere Vorstellungen in jedem Falle den Realitäten anpassen.

Nach wie vor gilt für uns: Wir planen nicht groß, aber realistisch und mit Augenmaß. Es werden keine Schulden aufgenommen. Es wird nur angepackt, was die Gemeinde schultern kann. Der Kirchenraum soll so „zukunftsfest“, wie es uns Menschen möglich ist, gemacht werden. Dieser Maxime sind wir treu geblieben und wollen es auch bleiben. Alles andere legen wir in Gottes Hand.

Trotz kirchlicher und staatlicher Förderungen brauchen wir weiterhin Spenden aus der Gemeinde. Ohne die vielen großzügigen Spenderinnen und Spender hätte der Beginn der ersten Bauphase nicht geklappt.

Unser Ziel ist es, dass wir möglichst viel von dem verbauten Gemeindevermögen wieder aufstocken. Jeder einzelne Spenden-Euro leistet einen wichtigen Beitrag, damit unsere Gemeinde in finanziell angespannteren Zeiten – und die werden kommen – handlungsfähig bleibt.

Die folgenden Generationen sollen die Christophoruskirche – so wie wir – für einen langen Zeitraum nutzen können, ohne beschwerende Gedanken an Grundsanierungen/-renovierungen. Indem wir unseren „Raum für Alle“ derart ertüchtigen, aufwerten und verschönern, und ihm damit auch den Stempel unserer Zeit aufdrücken, bei gleichzeitiger Sichtbarmachung der Spuren der früheren Gemeindegenerationen und wie diese ihren damaligen Raum für Alle geprägt haben, übernehmen wir Verantwortung für die Zukunft unserer Gemeinde und stellen uns damit wahrnehmbar in eine längere Zeitachse – nach hinten und nach vorne.

Birgit Ladwig

B a u – N e w s t i c k e r 

vom 29.01.2021
Die Säulen mit den kalkweißen Klinkern wurden sandgestrahlt. Nun ist die graue Farbe ab. Jetzt sehen sie sehr viel schöner aus. Nur manche mit Gips gefüllten Löcher müssen noch restauratorisch fachgerecht bearbeitet werden. +++ Hurra! Der Estrich, unter dem die neue Fußbodenheizung schon auf die erste Erwärmung wartet, ist fertig! +++ Neue Zwischenwände wurden gerade gemauert! Das war Fummelarbeit wegen der anspruchsvollen Formen. Große Anerkennung für die Maurer! +++ Das Gerüst an der Altarwand ist abgebaut! Jetzt sieht man: Die Wand ist voller kleiner Quadrate, die schon freigelegt wurden und Ausschnitte aus dem großen Wandbild mit Mandorla erscheinen lassen. Es sieht aus wie ein Puzzle, das noch nicht fertig ist.

Das Friedrichshagner Halboktett singt auf der Kirchenbaustelle.