Der Mensch als wohnendes Wesen …

… schafft sich eine Wohnstätte, einen Ort, der gleichermaßen Intimität wie Geselligkeit ermöglicht.

Pfarrer Alexander Höner lud zu einer Tagung der Evangelischen Akademie: „Meine vier Wände – über den Sinn des Wohnens“. Das passt in die Zeit. Täglich berichtet die Berliner Zeitung zur Wohnungssituation. Die Gewerkschaft, bei der ich arbeite, entdeckt das Wohnen als brennendes sozialpolitisches Thema.

Das breite Programm im „TheoLab“ * ist interdisziplinär und beleuchtet das existentielle Wohnen von vielen Seiten. Die Wohnstätte sei elementare Beherbergung, habe Schutzfunktion, erfülle ein Beheimatungsbedürfnis, sei Ausdrucksraum, in dem ich diejenige sein kann, die ich bin. Wohnraum könne nicht nur instrumentell gesehen werden, sondern sei auch eine Art Daseinsmetapher für die Menschen auf der Erde.

Adam und Eva sollen in der Schöpfung wohnen und diese pflegen und bewahren. Im Buch Exodus kommt Gott in seiner Herrlichkeit zu den Israeliten und nimmt inmitten unter ihnen Wohnung in einem Zelt, später im Gelobten Land in einem Tempel. Aus Unterdrückung in Ägypten und äußerster Gottesferne wird Gottesnähe und ein gemeinschaftliches Leben/Wohnen mit Gott in einem neuen Bund von Treue und Auserwähltsein **.

Wo wohnt unsere Gemeinde? Ist die Kirche Gottes Wohnstätte oder unser Wohnzimmer? Ist sie ein heiliger Raum? Der Mensch sucht vielleicht endgültige Beheimatung, aber in dieser Welt werden wir nie ganz zu Hause sein. Wir sollten auch aufbrechen wie Abraham, uns nicht an Boden und Haus klammern. Können wir – mit Gott – aufbrechen ins Offene, Unbekannte?

Birgit Ladwig
Informationen: www.ts-evangelisch.de/theologie-der-stadt



* Das Theologische Labor Berlin ist eine Kooperation zwischen Evangelischer Akademie Berlin, Evangelischer Hochschule Berlin und der Arbeits- und Forschungsstelle Theologie der Stadt. Sie laden zusammen zweimal im Jahr zu Tagungen in die Französische Friedrichstadtkirche ein.

** Vgl. Jan Assmann: Exodus – Die Revolution der Alten Welt, 1. Aufl., München 2019, S. 52 und 111.