Die Kreuzigung aus der Sicht von Holz, Nagel und Dornenzweigen

Konfirmanden erzählen die Passionsgeschichte neu

 

Die Dornenkrone erzählt

Es war einmal ein Rosenzweig, der wurde gepflückt für eine Dornenkrone. Sie wurde gemacht, dann wurde sie Jesus aufgesetzt. Die Dornenkrone dachte sich:“ Was geht hier ab  – was passiert hier?“  Jesus trug das Kreuz und die Dornenkrone vermutete: „Oh, eine Kreuzigung – wie schrecklich. Was der wohl getan hat? Sicher nichts Schlimmes, es ist ja Jesus.“ – Jesus kam an und wurde ans Kreuz genagelt. Das quälte die Dornenkrone: „Oh nein, diese Prozedur hasse ich, das ist immer so qualvoll anzusehen.“ Dann guckten sie, ob Jesus noch etwas spüren kann. Die Schmerzensschreie irritierten die Dornenkrone, obwohl sie so etwas vielleicht schon ganz oft gehört hatte von anderen Dornenkronen, die auf andere Köpfe gesetzt worden waren. – Vom Schmerzensschrei erschreckt dachte die Dornenkrone: „Nein, jetzt ist es passiert, aber sicher wird es gut ausgehen…“

Jakob Geiß

 

Der Nagel erzählt 

Ich bin ein Nagel und hing früher beim Pferdeschmied in der Küche. Der Schmied aber mochte das Bild nicht, was an mir hing und warf mich und das Gemälde auf die Strasse. Zuerst schnupperte ein Hund an mir, dann trat ein richtig fetter Mann auf mich. Ich lief knappe zwei Stunden mit dem Schuh des Mannes auf den Marktplatz bis er mich bemerkte und mich abschüttelte. Wenn ihr denkt, das war schon das Schlimmste, bei Weitem nicht. Es kam eine Schar Menschen vorbei und einer trug ein langes Kreuz. Einer der Männer bemerkte mich und nahm mich mit. Ich wusste nicht, was mit mir passierte und verschwand in seiner Tasche. Ich sah erst wieder Licht, als wir auf einem Berg standen. Die Menge rief: „Kreuzige ihn“. Schon spürte ich die ersten Schläge des Hammers. Es war das Schlimmste, was ich je erlebt habe, weil sie mich durch eine Hand schlugen. Dann wurde ich ohnmächtig. 

Anna Höner

 

Das Kreuz erzählt

Natürlich war ich früher mal ein Baum. Ich stand in einem Ort am See Genezareth, in dem viele Leute wohnten. Ich hätte lieber an einem ruhigeren Ort gestanden. Meine Mutter und mein Vater sind Möbel geworden, wunderschöne Möbel, die ich von meinem Platz aus sehen konnte. Kurze Zeit danach wurden auch meine Brüder abgeholzt, zu Dächern mit verschiedenen herrlichen Farben. Früher standen wir alle zusammen, wir haben zusammen gelacht und haben bei schweren Stürmen zusammen standgehalten. Doch dann ich dann stand hier ganz allein, fünf Jahre lang.  Ich war nicht ganz allein, ein Blinder lag immer an mir. Er tat mir leid, er kriegte nur sehr selten Geld und musste über Wochen hungern. Doch dann kam ein junger Mann zu ihm und der Blinde stand auf, schrie vor Freude „Jesus“ und der Blinde konnte auf einmal wiedersehen. Ich konnte es nicht fassen was da passiert war.

Ich war dann wieder allein, hatte jeden Abend von Jesus geträumt. Was waren seine Kräfte? Wie konnte er Menschen heilen? Kann er mich zu schönem Holz machen und zu Möbeln oder Dächern werden lassen? Er kam nie mehr hier her. Als ich dann von zwei Menschen gefunden und später abgeholzt wurde, dachte ich: Endlich bin ich kein alleinstehender Baum mehr. Doch es kam schlimm, ich wurde zu einem Kreuz. Und Menschen wurden auf mich genagelt, böse Menschen oder Verbrecher sind an mir gestorben. Ich hatte eine schreckliche Bestimmung. – Ich wurde gerade zur nächsten Person transportiert. Warte?! Das Gesicht kenne ich doch, Jesus! Jesus was machst du da? Du hast es nicht verdient! Ich habe geweint. Bitte, nagelt ihn nicht an mir an. Er hat doch nichts getan! Jesus komm, die Welt braucht dich, gib nicht auf! Du bist unsere Hoffnung! – Jesus ist an mir gestorben.

Aber wenigstens arbeite ich jetzt nicht mehr als Kreuz. Meine beiden Balken wurden danach in einem Haus eingesetzt. Der kurze über einer Tür und der lange Balken als Stütze für das Dach.

Laurenz Böttcher

 

Ich war einmal ein Baum. Ich war ein großer und starker Baum. Ich wartete immer darauf gebraucht zu werden. Eines Tages wurde ich endlich gefällt. Vielleicht werde ich endlich für ein Dach oder ein Fenster gebraucht?

Doch was war das? Was sollte ich werden? Ein Kreuz sollte aus mir werden! Wo soll ich stehen? Doch dann erschrak ich. Als ich sah, dass mein Holz für etwas anderes gedacht war, wurde ich traurig. Was hat dieser Mann getan, der mich gerade durch die Gegend schleppen muss? Es geht ihm schlecht, denn ich bin so schwer.

Warum wird dieser Mann gekreuzigt? Was hat er Schlimmes gemacht? Jetzt muss er mich auch noch den hohen Berg hinauftragen. Der Mann heißt Jesus. Ich werde auf dem Berg aufgestellt. Die Soldaten sind seltsam. Warum foltern sie diesen armen Menschen. Er wird mit großen Nägeln an mir festgemacht. Das Blut läuft an mir herunter. Ich spüre die Angst, die Wut und die Verzweiflung.  Jesus rief nach seinem Vater. Immer noch spüre ich Verzweiflung. Eine Dunkelheit kommt über uns und Jesus stirbt an mir. Doch in diesem Moment zerriss im Tempel der Vorhang und alle um mich herum erkannten, dass sie Gottes Sohn getötet hatten. Das machte mich traurig.

Annafried Lietz

 

Hallo, ich bin eine Eiche und stehe seit 87 Jahren friedlich am Waldrand. Heute ist ein besonders sonniger Tag und es weht kaum ein Lüftchen. Auf einmal kommt mein kleiner Freund Erni an meinem Stamm herunter gesaust, Erni ist nämlich ein Eichhörnchen und wohnt schon seit drei Jahren in einer kleinen Höhle in meinen Ästen. Als er schließlich neben meinem Stamm stehen bleibt ist er ganz erschöpft. Ich frage ihn was los sei und wieso er erschöpft ist. Erni antwortet mit seiner leisen aber sehr schnellen Redensart: „Die Menschen kommen mit großen zackigen Sachen!“. „Was meinst du denn mit großen zackigen Sachen? Meinst du etwa Sägen und Äxte?!“. „Jaja genau! Sie sind auf dem Weg hierher.“ Ich denke kurz nach wie diese Menschen nochmal heißen und erinnere mich: „Holzfäller!“ Erni nickt nur und krabbelt schnell in seine Höhle. Es dauerte nicht lang bis die Holzfäller am Rand des Waldes ankamen. Sie schlugen ihre Äxte mit aller Kraft in meine Haut(Rinde).Ich schrie und schrie, aber sie hörten mich nicht und hackten immer tiefer in mich rein. Nach weiteren 100 Schlägen unter höllischen Schmerzen fiel ich mit einem lauten Krachen um. Immer noch voller Schmerz zerrten sie mich zu ihrem Sägewerk, ich hörte sie unterwegs reden über einen gewissen Jesus und das aus mir ein Kreuz für seine Hinrichtung gebaut werden sollte. Dieser Gedanke war scheußlich, bis ich erfuhr, dass es ein König war, der an mir gekreuzigt werden sollte. Aber ich verstand nicht, wieso ein König gekreuzigt wurde, der so vielen Menschen geholfen hat und nie etwas Böses oder sogar Verbotenes getan hat. Sie legten mich auf einen Tisch und hobelten zwei Balken heraus, einen etwas kürzeren und einen längeren. Erst am nächsten Morgen wurde ich zusammengebaut. Ich hatte nun die Form eines Kreuzes. Zwei Soldaten trugen mich fort auf einen großen Platz. Dort wurde ein Mann auf mich draufgelegt, aber er sah überhaupt nicht aus wie ein König. Sie nagelten seine Hände und Füße mit Nägeln an mir fest, während die anderen nur an das Kreuz gebunden wurden. Dann richteten sie mich auf und stellten mich hin. Ein kleines Schild wurde an mir auf gehangen, wo darauf stand „König der Juden“. Also war es kein richtiger König, sondern Gottes Sohn, von dem alle sprachen! Ich hatte die Ehre, die letzte Stäte Jesus zu sein, auf Erden! Ende.

Nils Teubner

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