Landeskirchlicher Klärungsprozess zur Abendmahlspraxis

Eine Einladung ist etwas Wundervolles! Sie weckt Vorfreude und Neugier, und ich fühle mich als Geladene gewürdigt und willkommen und nehme sie in aller Regel gern an. Empfinden Sie auch so?

Wie einladend ist eigentlich unser Abendmahl? Wer ist eingeladen und „entspricht die Art und Weise des Einladens dem einladenden Christus“? Zu diesen Fragen sucht unsere Kirchenleitung einen Klärungsprozess und hat mit einem Thesenpapier zu Diskussionsabenden geladen. Hier eine Zusammenfassung eines solchen Diskussionsabends mit Propst Christian Stäblein und Oberkirchenrätin Christina-Maria Bammel in Beeskow.

Die Kirchenleitung möchte anregen, die Abendmahlspraxis zu reformieren. Es ist verwirrend, wenn in einer Gemeinde die Kinder am Abendmahl teilnehmen können und in der Nachbargemeinde nicht. Und auch der Umgang mit Menschen, die aus der Kirche ausgetreten oder konfessionslos sind, wirft Fragen auf. Grundsätzlich muss Leitbild sein, dass Christus im Abendmahl der Einladende ist. Darum ist es theologisch problematisch, von einer „Zulassung zum Abendmahl“ mit den Kriterien: Taufe, Konfirmation und Kirchenzugehörigkeit zu sprechen.

Wenn Christus als Einladender beim Abendmahl erkennbar sein soll, sollte die Kirche niemanden ausladen. „Die Weite der Verkündigung des Evangeliums von der Rettung der Welt in Christus und die Weite der Einladung müssen einander entsprechen“. Darum plädiert die Kirchenleitung dafür, dass die Teilnahme nicht an alters-, entwicklungs- oder bewusstseinsbezogene Voraussetzungen geknüpft sein soll. Getaufte Kinder sollten beim Abendmahl willkommen sein (entspricht auch der frühkirchlichen Tradition bis zum 12. Jahrhundert) und Menschen, die aus der Kirche ausgereten sind, sollten nicht ausgeschlossen werden, wenn sie die Abendmahls-Gemeinschaft von sich aus wieder suchen. Denn Gottes „Ja“ in der Taufe und im Abendmahl hat Bestand.

Das Abendmahl darf als sinnlich erfahrbare Verkündigung des Evangeliums gefeiert werden und birgt darum in sich immer auch eine missionarische Gelegenheit. Alles in allem regt die Kirchenleitung an, das Abendmahl Christus gemäß einladend zu gestalten und es in seiner Bedeutungsvielfalt als Mahl der Vergebung, des Gedächtnisses, des Dankes, der Freude und des Vorgeschmacks auf das Reich Gottes zu feiern.

Die sich anschließende Diskussion, die in den Gemeinden weitergehen soll, zeigte die Relevanz oben genannter Thesen. Natürlich gab es auch Widerspruch: Wo bleibt der Bekenntnischarakter des Abendmahls? Verliert die Konfirmation durch die Teilnahme von Kindern oder von Nichtkirchenmitgliedern am Abendmahl nicht an Bedeutung? Letztlich sollen für das Abendmahl Formen gefunden werden, die die Menschen voller freudiger Erwartung an den Tisch des Herren kommen lassen. „Denn es ist alles bereit“, um die Freundlichkeit Gottes zu sehen und zu schmecken.

Pfarrerin Claudia Scheufele / Regionalartikel