Weltgebetstag der Frauen

 

„Findet der Weltgebetstag 2021 überhaupt statt?“

Zuerst einmal: Ja, der Weltgebetstag 2021 findet unter allen Umständen statt. Viele engagierte Frauen tun momentan alles dafür, dass wir – trotz Corona-Pandemie – gemeinsam feiern können. Seien Sie am 5. März 2021 dabei! Lernen Sie die spannende Bewegung des Weltgebetstags kennen! Mehr Informationen gibt es hier!

+ + + Livestream: Gottesdienst zum Weltgebetstag am 7.3. beginnt um 10.00 Uhr – aus der Nachbargemeinde Rahnsdorf – hier der Link zu unserer Website + + +

Vanuatu – ein Paradies im Südpazifik

Der Weltgebetstag 2021 wurde in dem kleinen Inselstaat vorbereitet Nordöstlich von Australien liegt das Inselgebiet Melanesien. Viele kleine und sehr kleine Inseln bilden mehrere Inselstaaten, von denen Vanuatu der kleinste ist. Ich muss gestehen, dass ich bis vor kurzem noch nie etwas bewusst von Vanuatu gehört habe. Von Nachbarn wie Fidschi, Salomonen oder Papua-Neuguinea schon – aber von Vanuatu?

Fehlanzeige. Und das, obwohl dieser Staat auf Platz Eins einer UN-Liste steht, …nämlich des Welt-Risikoberichts der am stärksten durch Umweltkatastrophen bedrohten Länder! Durch seine geografische Lage auf dem pazifischen Feuerring ist Vanuatu ständig von Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Tsunamis und Wirbelstürmen bedroht und nun, in Folge des Klimawandels, auch durch den steigenden Meeresspiegel. Warum setzen sich Menschen so einem Risiko aus, wohnen dort und bauen nach jeder Naturkatastrophe ihre Hauptstadt und ihre Ortschaften wieder auf, dort am Ende der Welt? Ein Grund dafür ist sicherlich die Tatsache, dass es dort auch so schön ist. Vanuatu ist mit paradiesischen Stränden, blauem Wasser, einer reichen fruchtbaren Vegetation, einer vielfältigen Tierwelt im Wasser und auf dem Land, mit Sonne, sauberer Luft und in der langen Trockenzeit mit angenehmen Temperaturen gesegnet. Hätten sich die Menschen dort ihre „Unschuld“ bewahren können, gehörten sie wahrscheinlich zu den Freundlichsten und Glücklichsten auf der Welt. Schon 2000 Jahre vor Christus lebten erwiesenermaßen Menschen auf den Inseln. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden sie von portugiesischen Seefahrern entdeckt und ihrer Unabhängigkeit beraubt. In den nächsten vier Jahrhunderten waren sie Spielball oder Streitfall europäischer Mächte. Ausbeutung, Gewaltanwendung (auch bei der christlichen Mission) und eingeschleppte Krankheiten führten zu einem dramatischen Rückgang der einheimischen Bevölkerung. Erst 1980! erhielt Vanuatu seine Souveränität zurück. Aber das, was seinen Menschen gestohlen worden war, nicht. Sie mussten mit dem kolonialen Erbe weiterleben und haben auch an manchen eigenen Traditionen schwer zu tragen. Vor allem die Frauen. Für sie ist Vanuatu kein unbeschwertes Paradies. In Vanuatu haben überkommene Sitten, Gewohnheitsrechte, Traditionen und Konventionen (Kastoms – pidgin für customs) einen hohen Stellenwert. Die sogenannten Kastoms zementieren aber vor allem die Rechte der Männer. Wenn Frauen aufbegehren und ihre Gleichwertigkeit vor Gott (auch diese Erkenntnis ist eine (positive) Auswirkung der christlichen Mission) in Anspruch nehmen wollen, werden sie sehr, sehr häufig Opfer von Gewalt in den Familien. Jede zweite Frau hat solche Erfahrungen. Zudem haben sie kaum Zugang zu Erwerbstätigkeiten, die sie finanziell unabhängiger machen würden. Es gibt Stimmen in Vanuatu, die sagen, auch bei dem Risiko der Gewalt gegen Frauen liegt unser Land auf Platz Eins.

Das Titelbild des diesjährigen Weltgebetstages leuchtet in klaren Farben. Ja, denke ich, passend zu einem Südseeparadies. Aber der erste Eindruck täuscht: „Pam II“ stellt die Situation dar, als der Zyklon Pam 2015 über Vanuatu zog. Das Bild zeigt eine Frau, die sich schützend über ihr kleines Kind beugt und betet. Die Frau trägt traditionelle Kleidung, wie sie auf der Insel Erromango – eine der Inseln Vanuatus – üblicherweise getragen wird. Der Sturm fegt über Frau und Kind hinweg. Eine Palme mit starken Wurzeln kann sich dem starken Wind beugen und schützt beide so vor dem Zyklon. Im Hintergrund sind Kreuze für die Todesopfer des Sturms zu sehen.

Die Weltgebetstagsbewegung will in diesem Jahr auf die Schönheiten und die Probleme von Vanuatu aufmerksam machen. Da gibt es viel zu erzählen. Und sie möchte mit den Spenden zum Weltgebetstag Frauen unterstützen, ihre verfassungsmäßig verbrieften Rechte (immerhin!) kennenzulernen und durchzusetzen. Sie möchte sich dafür einsetzen, dass es für Vanuatu eine gute friedvolle Zukunft für alle gibt. Das bedeutet aber auch, nicht nur den „armen Menschen dort zu helfen“, sondern zu erkennen, wie sehr unser Verhalten und die weltweite Politik auch heute die Menschen in vielen Teilen der Welt bedrängt und bedroht und ihre Lebenswelt buchstäblich untergehen lässt! So kann der diesjährige Weltgebetstag auch einen Impuls für die Anstrengungen, dem Klimawandel endlich Taten und Entscheidungen entgegenzusetzen, sein. Lassen Sie uns ihn nutzen! Das Motto des Weltgebetstags aus Vanuatu lautet passenderweise: „Worauf bauen wir?“ Im Mittelpunkt wird der Bibeltext aus Matthäus 7, 24 bis 27 stehen. Die Frauen aus Vanuatu wollen uns ermutigen, das Leben auf den Worten Jesu aufzubauen, die der felsenfeste Grund für alles menschliche Handeln sein sollen. Denn nur das Haus, das auf festem Grund stehe, würden Stürme nicht einreißen, heißt es in der Bibelstelle bei Matthäus. Ich hoffe, ich konnte Ihr Interesse wecken! Worauf bauen wir?

Ihre Kerstin Lütke

Im Christophorusboten gibt es noch ein Rezept für einen leckeren Kuchen.

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