Zum Abendmahl einladen

Auf diesem Weg möchten wir Sie gern ins landeskirchenweite Gespräch einbinden: Die Herbsttagung der Landessynode 2018 gab uns allen die Anregung, eine der wesentlichen Fragen unserer kirchlichen Praxis miteinander zu diskutieren. Brief vom künftigen Bischof der EKBO, Dr. Christian Stäblein. Und eine Einladung der Gemeinde.

Liebe Geschwister,

auf diesem Weg möchten wir Sie gern ins landeskirchenweite Gespräch einbinden: Die Herbsttagung der Landessynode 2018 gab uns allen die Anregung, eine der wesentlichen Fragen unserer kirchlichen Praxis miteinander zu diskutieren. Zur Diskussion steht, wie wir im Namen Jesu zum Abendmahl einladen. Wir wissen: Nicht wir laden ein, der auferstandene Christus lädt an den Tisch der Gemeinschaft mit Gott. Wir geben diese Einladung weiter. Die Gemeinschaft am Tisch zeigt, was wir sind und was wir sein werden: Kinder Gottes, Glieder am Leib Christi. Das ist die Grundeinsicht unseres Glaubens — und es ist unsere Verantwortung, immer wieder zu fragen, ob unsere Abendmahlspraxis dieser Grundeinsicht entspricht und ob die Regelungen dazu, die notwendigen kirchlichen Ordnungen, angemessen sind, das heißt: ob sie die Einsicht in den Segen und in das bleibende Geheimnis dieser Gemeinschaft befördern oder verdunkeln.

Die Frage der Zulassung steht neu im Raum. Wer ist zum Abendmahl zugelassen? Vor allem
aber: Ist es von unserem Glaubens- und Kirchenverständnis her angemessen und richtig, von
Zulassung zum Abendmahl zu reden? Oder verdeckte eine solche Sprachwahl nicht die Weite
der Einladung zum Mahl am Tisch des Herrn? Der Ständige Ausschuss für Theologie, Liturgie
und Kirchenmusik hatte sich im Vorfeld der Synode mehrfach dieser Fragen angenommen. Die
Kirchenleitung widmete sich dem Thema auf einer ihrer Klausuren. Die Synode beschloss
schließlich auf der Basis des Berichtes auf der Herbstsynode 2018 zur gegenwärtigen
Diskussion, an allen Orten unserer Landeskirche Gelegenheit zur gemeinsamen Besprechung
der zum Teil kontroversen Fragen zu geben. Die Themenkreise, um die es geht (und die
ebenfalls in den Leitthesen der Kirchenleitung vom 24. 08. 2018 aufgegriffen sind; abzurufen
unter www.ekbo/glaube/abendmahl.de), wollen wir hier kurz anreißen:

(1) Die Frage der Teilnahme von Kindern am Abendmahl, die getauft, aber noch nicht konfirmiert sind.

Erstens geht es natirlich auch und immer wieder bei dieser Frage um _ verschiedene
Verstehensweisen der Schrift und der Herleitung der Abendmahlspraxis aus der Schrift. Was steht beim Abendmahl im Vordergrund? Im Ersten Brief des Paulus an die Korinther wird, in der
Überlieferung der Abendmahlseinsetzung, der Rahmen für würdiges und unwürdiges Feiern
abgesteckt. Unwürdig im Kontext der ersten Christengemeinden, das sagt Paulus, ist ein
unsolidarisches Mahlfeiern, in dem Arm und Reich separiert werden. Paulus geht es weniger um die Frage von Kindern. Unwürdig ist aber das Verhalten der Satten gegenüber den Hungrigen damals in Korinth — und damit einhergehend die Frage der Anerkennung der eigenen Bedürftigkeit der Barmherzigkeit und der Bedingungslosigkeit der Gnade Gottes. Das finden wir bei Paulus — und daraus die Weiterentwicklung der frühen christlichen Gemeinden, die die Taufe als Akt der Berufung in die Gemeinschaft mit Christus verstanden. Eine Gemeinschaft, in der Liebe, Achtung und Gleichwürdigkeit das Zusammenleben bestimmen sollen, die Grenzziehungen in ethnischer, sozialer, geschlechtlich begründeter oder auch altersbegründeter Hinsicht hingegen überschritten sind. Die Offenheit für Kinder in der damals deutlich familienorientierten Glaubenspraxis dürfen wir wohl voraussetzen. Eine Argumentation, nach der die Kinder nicht teilnehmen können, weil Jesu letztes Mahl ohne Kinder gefeiert wurde, scheint uns vom Verständnis des Schriftganzen her zu kurz. Aber genau darüber ist es gut zu diskutieren, wo es nötig ist. Wir wissen: Die Ordnung des kirchlichen Lebens schlägt eine Regelung zur Teilnahme von getauften Kindern vor. In unserer Landeskirche entscheiden die GKRs auf der Basis der Lebensordnung, ob getaufte Kinder zur Teilnahme am Abendmahl eingeladen werden. Hier ist die Praxis sehr verschieden. Das ist einerseits schön — Vielfalt ist Markenzeichen der EKBO. Es ist aber auch irritierend: das Sakrament, das doch die Darstellung des ganzen Leibes Christi ist, in der einen Gemeinde so, in der anderen so?

(2) Die Frage der Teilnahme von Getauften, die aus der Kirche ausgetreten sind.

Wie begegnen wir Menschen beim Abendmahl, die aus der Kirche ausgetreten sind? Hier fließen in der Beantwortung sicherlich persönliche Erfahrungen, theologische Überzeugungen und Traditionen zusammen. Wer sich als Sünder von Jesus an seinen Tisch gerufen weiß, der soll nicht kommen? Nehmen wir die Beichte, die gemeinsame Beichte, das gemeinsame Schuldbekenntnis, die Absolution, nehmen wir das in angemessener Weise wahr — nicht als Zugangsregulation, sondern als befreienden Turöffner?

(3) Die Frage der Teilnahme von Menschen, die nicht getauft, aber erkennbar auf dem Weg zur Taufe sind.

Das Abendmahlsbegehren von Menschen, die nicht getauft sind, ist eine theologisch spannende, vielleicht auch schwer aufzulösende Diskussion. Schwer lösbar deshalb, weil theologische Überzeugung und praktisches Handeln in Widerspruch geraten können. Einfach gesagt: wer kann vom Altar wegschicken, ganz praktisch, zumal damit eine Einladung verweigert wird, die nicht die eigene ist. Und doch zugleich: wer wollte lehren, hier könnten oder sollten alle kommen, ob getauft oder ungetauft. Da könnte ja jeder kommen — wobei: Waren wir nicht froh, wir würden die Fragen eines Tages mit genau diesem Problemhorizont diskutieren: dass da jeder kommen will und dass da an den verschiedensten Orten der Landeskirche die Schlangen lang sind vor den Kirchen, weil alle kommen und sagen: heute Abendmahl, ich will dabei sein.

(4) Die Frage, ob der Ausschluss vom Abendmahl als Mittel der Kirchenzucht auf den Prüfstand gehört.

Das geistliche Bürgerrecht, von dem biblisch die Rede ist, kann durchaus verletzt und verwundet werden. Es kann sogar entzogen werden. Aber ist dies über die Frage der Teilnahme am Altarsakrament zu entscheiden? Von uns? Vor Gottes Angesicht haben wir keinen
Rechtsanspruch auf das Abendmahl; wir sind Geladene — als Sünderinnen und Sünder. Kirchendisziplinierendes Handeln kann wichtig sein, etwa der Ausschluss von Wahlämtern und Entscheidungsgremien: das kann notwendig werden, die Geschichte lehrt das, die Zukunft wird uns möglicherweise wieder mehr danach fragen. Könnte allerdings das kirchendisziplinierende Handeln sogar besser gesteuert werden, indem es gerade nicht über den Ausschluss vom Abendmahl läuft? Gott lädt seine Gemeinde in der Nachfolge, im Scheitern und Neubeginnen, bedingungslos an seinen Tisch. Wir gehen davon aus, dass das nicht ohne Folgen bleibt für alle.

Das macht die Weite der Einladung aus. Die Möglichkeiten kirchendisziplinierenden Handelns brauchen wir unter den Bedingungen dieser Welt noch immer. Aber wie wir sie gestalten, ist zu diskutieren.

Zentrales Moment und Anliegen bleibt die Taufe als Voraussetzung für die Teilnahme am Abendmahl, um die Einladung Gottes im diesem Sinne wieder in die Mitte zu rücken. Das Thema berührt und regt an, ein breiter Konsens ist in vielen Hinsichten bereits Praxis, aber nicht in allen. Die sichtbare Gemeinschaft am Tisch kann schnell Zankapfel werden und widerspricht dann dem, worum es geht: Gemeinschaft. Deshalb: Nehmen wir uns Zeit, miteinander zu reden.

Dafür ist Gelegenheit — bis zum Frühjahr des kommenden Jahres, um dann gegebenenfalls ab Juni 2019 in der Vorbereitung auf die Herbstsynode eine Beschlussfassung vorzubereiten, die die Ergebnisse der Diskussionen und Gespräche aufnimmt.

Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie mit uns teilen, welche Einsichten und Diskussionsergebnisse Sie in den Gruppen, Kreisen, Konventen, Gemeindegesprächen oder in der persönlichen Auseinandersetzung gewonnen haben. Es besteht in mehrerlei Hinsicht Gelegenheit dazu, an Ihren Einsichten und Positionen auch die Kirchenleitung teilhaben zu lassen:

(1) Sie können uns selbstverständlich schreiben unter abendmahl@ekbo.de
Rückmeldungen vor allem bis zum Juni 2019 können wir in der Vorbereitung der Herbstsynode berücksichtige
n.

(2) Sie können sich beteiligen auf der Onlineplattform unter
https://www.ekbo.de/glaube/abendmahl
.

Wir sind dankbar für die bislang intensive Diskussion zu diesen Fragestellungen und erwarten
gespannt Ihre zahlreichen Schilderungen, Fragen, Eindrücke und Vorschläge. Vor allem aber
freuen wir uns auf die direkten Begegnungen und Gespräche.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Propst Christian Stäblein


Herzliche Einladung

Sehr geehrte Gemeindemitglieder und Interessierte!

In unserer Gemeinde möchten wir die Anregung des Propstes und künftigen Bischofs unserer Landeskirche aufnehmen und eine Diskussion über die Einladung zum Abendmahl starten und ihm dazu eine Rückmeldung geben. Wir planen für den 2. Juni nach dem Gottesdienst eine Gemeindeversammlung zu diesem Thema (also kurz nach 11 Uhr), bei der wir uns jedoch zunächst auf die Teilfrage „Kinderabendmahl“ konzentrieren wollen. Wir bereiten dazu Statements verschiedener Gruppen und Kreise der Gemeinde vor, die wir auf der Gemeindeversammlung präsentieren wollen. Darüber wollen wir mit den Teilnehmer*innen der Gemeindeversammlung ins Gespräch kommen. Das Stimmungsbild wollen wir festhalten und dem Propst übermitteln. Auch Konsequenzen für unsere eigene Gemeindesakramentspraxis sind möglich.

Wir laden Sie herzlich dazu ein! Ebenso können Sie unabhängig vom Termin 2. Juni 2019 Ihre Meinung an das Kirchenbüroinfo@christophorus-kirche.de schreiben. Gerne können Sie das auch mit der guten alten Papierpost in den Briefkasten werfen.

Mit freundlichen Grüßen, Birgit Ladwig, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates